Gut 1,1 Millionen Euro mehr für die Freien Darstellenden Künste
NRW-Projektförderung, Gastspielförderung, Festivals und Kinder- und Jugendtheater profitieren von zusätzlichen Mitteln für faire Bezahlung
17.04.2026 Ende März hatte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) bekannt gegeben, dass zusätzliche Mittel für die Abmilderung der durch die Honorarmatrix des Landes NRW verursachten Kosten zur Verfügung gestellt werden, zunächst für die Jahre 2026 und 2027. Wir haben daraufhin bereits berichtet, dass die durch uns verwaltete NRW-Projektförderung um gut 260.000 Euro ansteigt und wir daraufhin ab sofort die Maximalfördersumme pro Projekt von 20.000 Euro auf 25.000 Euro erhöhen. So können weiterhin etwa gleich viele Projekte bei besserer Bezahlung durchgeführt werden.
Am 16.04.2026 waren diese zusätzlichen Mittel nun auch Thema im Ausschuss für Kultur und Medien im Landtag und eine Liste mit der Gesamtverteilung über die Sparten wurde mit den Unterlagen veröffentlicht. Neben der NRW-Projektförderung bekommt noch die Gastspielförderung einen kleinen Aufwuchs von 12.000 Euro und zudem die landesgeförderten Festivals von rund 413.000 Euro und die institutionell geförderten Häuser der Kinder- und Jugendtheater von rund 440.000 Euro. Insgesamt summieren sich diese Beträge auf rund 1,1 Millionen Euro – die Freien Darstellenden Künste werden hier also insgesamt gut berücksichtigt. Nach dem schwierigen vergangenen Jahr und neben den aktuellen Kürzungsszenarien in einigen Kommunen ist das ein wichtiges Signal und Hoffnung machender Lichtblick.
Hoffnung macht es auch dass Kulturministerin Ina Brandes (CDU) im Ausschuss auf Nachfrage von Andreas Bialas (SPD) betonte, dass das MKW nach wie vor zur Gesamtförderarchitektur der Freien Darstellenden Künste stehe und es mittelfristig geplant sei, die Veränderungen, die sich aufgrund der Finanzentwicklungen 2025 ergeben haben, wieder auszugleichen.
Gute Nachrichten für die Freie Szene - und doch sind damit nicht alle Bedarfe gedeckt. Auch die Theaterhäuser, die im Schwerpunkt für Erwachsene arbeiten, haben finanzielle Mehrbelastungen durch die Honorarmatrix. Betrachtet man jedoch die Gesamtliste, so sieht man, dass die Kinder- und Jugendtheater über alle Sparten hinweg im Bereich der Institutionellen Förderungen („Titelgruppe 79“) als einzige überhaupt innerhalb dieses ersten Schrittes einen Aufwuchs bekommen. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Titelgruppe 81, in der sich die Förderprogramme der Sparten versammeln. Laut MKW wurde für die Kinder- und Jugendtheater hier eine Ausnahme gemacht, da diese bei sowieso schon prekärer Ausstattung und aufgrund ihrer jungen Zielgruppe von allen Akteur*innen am wenigsten Möglichkeit haben, über Eintrittspreise nachzujustieren.
Für einen ersten Schritt mit begrenzten Ressourcen ist das eine nachvollziehbare Priorisierung – jedoch sollte der zweite Schritt nicht lange auf sich warten lassen. Denn auch bei den Theaterhäusern, die nicht hauptsächlich für junges Publikum produzieren, ist die Lage angespannt und das Regulativ über die Preise stark begrenzt. Die Freien Darstellenden Künste zeichnen sich oft über eher kleine, innovative Formate aus und haben den Anspruch, auch in finanzieller Hinsicht niederschwellig ein diverses Publikum zu erreichen. Eine Anhörung im Landtag im Juni 2025 hatte diese Situation eindrücklich dargelegt.
Da jedoch auch Ina Brandes im Ausschuss mehrfach von ersten Schritten sprach und davon, dass der gesamte Prozess rund um die Matrix etwas sei, das evaluiert und ggf. justiert werde, setzen wir auf baldige weitere Schritte - und freuen uns über die Stellen, an denen der erste Schritt in nach wie vor angespannten Zeiten zumindest etwas Luft zum Atmen mit sich bringt.
NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V.
