NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V.

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Intimacy / Simina German / Foto © Andre Symann
be a_part of me / vier.D / Foto © Klaus Pfeiffer
Auf die Bühne - Welt retten! / theaterspiel / Foto © Simon Jost
Kölsche Mädche / Bibiana Jiménez / Foto © Meyer Originals
Intimacy / Simina German / Foto © Andre Symann
Ein neues Land / Rue Obscure / Foto © Lara Müller
Der Bär, der nicht da war / Theater Marabu / Foto © Ursula Kaufmann
Kölsche Mädche / Bibiana Jiménez
be a_part of me / vier.D / Foto © Nilüfer Kemper
Schwan / Krebs / Hecht / Kurth & Kurth
Pornotopia / Morgan Nardi
Die Flaneure // Athen / fringe ensemble
GRENZE, DIE / Drangwerk / Foto © Simon Howar
Jahrmarkt der Maschinen / Beat Salon / Foto © Philipp Danz
GRENZE, DIE / Drangwerk / Foto © Simon Howar
Das schaurige Haus / echtzeit-theater / Foto © Roman Starke
My Reputation ist Your Guarantee / El Cuco Projekt / Foto © Anna Lev
Der Bär, der nicht da war / Theater Marabu / Foto © Ursula Kaufmann
Auf die Bühne - Freiheit leben! / theaterspiel / Foto © Simon Jost
Die Flaneure // Athen / fringe ensemble
The Art Piece / Fetter Fisch / Foto © Oliver Berg

Theaterfestival FAVORITEN

Favoriten 2018: Standing Ovations und 40.000 € unabhängige Förderung für die freie Szene

Presse-Information, 17. September 2018

Aus dem Rhythmus der Welt gefallen – Dortmund erlebt mit dem Favoriten Festival elf Tage Experimentelles aus Tanz, Theater, Performance und Musik

Nach elf erlebnisreichen Tagen ging das Dortmunder Favoriten Festival 2018 nach 40 Aufführungen von 18 eingeladenen Gruppen mit einer Auslastung von 91% erfolgreich zu Ende. Das älteste Festival der freien darstellenden Künste in Nordrhein-Westfalen fand in diesem Jahr vom 6. bis 16. September im Dortmunder Norden statt. FAV18 initiierte Begegnungen zwischen Avantgarde und Stadt, zwischen Zirkus und Tanz, Oper und Installation. Vier Gruppen werden von einer unabhängigen Fach-Jury ausgezeichnet.
Fanti Baum und Olivia Ebert, künstlerische Leiterinnen des Favoriten Festivals 2018: „Unser Programm setzt ein deutliches Zeichen für ästhetische und experimentelle künstlerische Arbeiten, die angesichts der zunehmenden Polarisierung politischer Debatten einen Raum für Komplexität und Diskussion schaffen. Die 18 ausgewählten künstlerischen Positionen haben gezeigt, dass die freien darstellenden Künste sich gleichermaßen zu den gesellschaftlichen Gegenwarten positionieren, wie sie Wege ins Unbegangene suchen. Mit Expertise und Dilettantismus lässt sich freies Theater auf Unprobiertes ein, eignet sich Formen und Wissen anderer Disziplinen an und fügt sie zu immer neuen ästhetischen Konstellationen.“
Claudia Kokoschka, Leiterin des Dortmunder Kulturbüros und langjährige Unterstützerin des Festivals: „Dortmund kann stolz sein auf dieses älteste Festival der freien Theaterszene, das hier wieder einmal mit außergewöhnlichen ästhetischen Mitteln den Blick auf unbeachtete oder verschwiegene gesellschaftliche Entwicklungen richtet und kreative Brücken zwischen sich sonst nicht begegnenden Welten baut“.
Harald Redmer, Leiter des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste: „Wir brauchen frei arbeitende Künstler*innen gerade in politisch schwierigen Zeiten. Freischaffende Künstler*innen verfügen über die Fähigkeit und den Mut, Gesellschaft neu zu denken. Hier geht es um nichts Geringeres als an der Gesellschaft der Zukunft zu arbeiten. Die freien darstellenden Künstler*Innen stellen sich diesem gesellschaftlichen Auftrag. Das Festival hat dies nachdrücklich unter Beweis gestellt."

Standing Ovations und 40.000 EUR Ground Support vom NRW KULTURsekretariat (NRWKS) für unabhängiges künstlerisches Arbeiten
Bereits die Eröffnung Fin de Mission / Ohne Auftrag leben des Bochumer kainkollektiv und der Kameruner Theatergruppe OTHNI sorgte für stehende Ovationen und angeregte Diskussionen über postkoloniale Machtverhältnisse, gesellschaftliche und individuelle Verantwortung. Beispielhaft für ein diverses und mutiges Programm war auch der Konzertabend des Theatermachers Ariel Efraim Ashbel mit Liedern der legendären ägyptischen Sängerin Oum Kalthoum unter Beteiligung von Musikerinnen und Musikern aus NRW im Theater im Depot. Weitere Highlights waren das Projekt mit der Regisseurin Claudia Bosse, deren Stück POEMS of the DAILY MADNESS unter Beteiligung eines Bochumer Chors seine NRW-Premiere auf dem Festival erlebte und die Zusammenarbeit mit dem renommierten Soundkünstler Tarek Atoui, der gemeinsam mit Léo Maurel ein vollkommen neues Instrument entwickelte, das erstmals in einer Ausstellung und einem Konzert in Dortmund aktiviert wurde und demnächst in New York präsentiert wird.
Über die Hälfte der Abende war restlos ausverkauft. Die 18 Stücke aus den Bereichen Theater, Performance, Tanz und Musik begeisterten das Publikum. Internationale Gäste aus Mexiko, Äthiopien, Kanada, Israel und Estland konnten das Festival fünf Tage dank des Internationalen Besucherprogramms des NRW KULTURsekretariats begleiten.
Eine unabhängige Jury, zusammengesetzt aus Anta Helena Recke (Regisseurin), Ingrida Gerbutavičiūte (Tanzwissenschaftlerin und Kuratorin) und Florian Ackermann (Dramaturg), traf nach Ende des Festivals am Montagvormittag die Entscheidung über den vom NRW KULTURsekretariat gestifteten FAVORITEN-Preis GROUND SUPPORT. Ein Preisgeld von jeweils 10.000 Euro erhalten Lea Letzel & Luísa Saraiva, die Gruppe i can be your translator, Overhead Project und Sebastian Blasius.
Der Preis ist in diesem Jahr als GROUND SUPPORT für künstlerisches Arbeiten konzipiert und kann von den Gruppen für ihre kontinuierliche künstlerische Arbeit jenseits projektgebundener Förderung und Antragsstellung eingesetzt werden.
Ähnlich dem bekannten Ground Support in der Theatertechnik, der es als selbsttragendes Traversen-System ermöglicht, in jedem Raum Licht- und Tontechnik anzubringen, soll der Favoriten-Preis GROUND SUPPORT die künstlerische Arbeit der Gruppen unabhängiger von den äußeren Bedingungen machen. Damit setzen das Favoriten Festival und das NRWKS ein Zeichen für den dringenden Bedarf nach mehr projektunabhängiger Förderung in der freien Szene der darstellenden Künste in Nordrhein-Westfalen.

Jury-Statements:
A CONCERT / EIN KONZERT von Lea Letzel und Luísa Saraiva ist eine der seltenen Performances, die wahrhaftig transdisziplinär angelegt sind und somit den Blick einer spezifischen Disziplin nie gänzlich befriedigen. Es ist bemerkenswert, wie durch eine simple in Raum, Sound und Bewegung eingreifende Setzung und vor allem durch die Performer*innenhaltung von Luísa Saraiva, Montserrat Gardó Castillo und Rie Watanabe eine vielschichtige und bezugsreiche Performance entsteht, die gleichzeitig sinnlich und klar ist. Eine konsequente, radikale und reduzierte Performance für 23 Gitarren und drei Frauen.

i can be your translator sind mit ihrer Arbeit Das Konzept bin ich ein doppeltes Wagnis eingegangen. In dem sie sich einem schwierigen Thema stellen; und in dem sie sich zu diesem Thema als Mixed-Ability-Gruppe ernsthaft am kollektiven und gleichberechtigten Arbeitsprozess versuchen. Wir waren beeindruckt und berührt von ihrer Auseinandersetzung, die gleichermaßen Raum für ein gemeinsames Trauern und Gedenken lässt, und trotzdem sehr humorvoll immer wieder in das Hier und Jetzt des Gruppenprozesses und des gemeinsamen Musikmachens zurückfindet.

Overhead Project arbeitet an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz und Zirkus und erweitert dadurch die Grenzen der Sparten. Sie schaffen in SURROUND durch die emphatischen und feinen Konstellationen der vier Performer*innen und die Positionierungen der Zuschauer*innen vielseitige Bilder des Individuums im Verhältnis zur Gemeinschaft. Fragen nach Machtverhältnissen, Demokratie und Vertrauen im Spannungsverhältnis zu einem schwingenden Turngerät werden am eigenen Leibe spürbar.

Mit seiner hochformalisierten, aber dennoch immersiven und somit starken Setzung eröffnet uns Sebastian Blasius in VANITAS eine Verknüpfung zwischen dem bürgerlichen Mittagsessentisch und dem Horrorgenre. Präzise Ensemblearbeit trifft auf einen Raum der posttraumatischen Erinnerung, der durch unsere Körper und an unseren Körpern erfahrbar wird.

Die nächste Ausgabe des Festivals, das vom NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt Dortmund veranstaltet wird, soll 2020 stattfinden.
Aktuelle Pressemappe unter www.favoriten-festival.de/presse
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Die künstlerische Leitung von FAVORITEN 2018

neue Festivalleitung FAV18 — Bild von Jörg Baumann

Fanti Baum und Olivia Ebert übernehmen die Künstlerische Leitung von FAVORITEN 2018, unserem traditionsreichen Theaterfestival der frei produzierenden darstellenden Künste in Nordrhein-Westfalen, das wir biennal in Kooperation mit der Stadt Dortmund ausrichten.

Mit Fanti Baum und Olivia Ebert konnten wir zwei profilierte Leiterinnen gewinnen, die sich durch ein starkes eigenes künstlerisches Profil auszeichnen und umfassende Erfahrungen mit szenischen Arbeiten in der Stadt vorweisen können. Das Landesbüro und die Stadt Dortmund freuen sich auf die nächste Ausgabe des Festivals, den Dialog mit der Stadtgesellschaft und die Arbeit mit dem neuen Team.

2016 leiteten Fanti Baum und Olivia Ebert das vom Freie-Szene-Netzwerk Independent Dance initiierte Performance-Festival »implantieren« in Frankfurt am Main. Das Festival präsentierte fünf Neuproduktionen, die die teilnehmenden Künstler*innen für besondere Orte der Stadt entwickelten. Zudem veranstalten Fanti Baum und Olivia Ebert das Gesprächsformat »off the record. Denken in präziser Unschärfe« im Künstlerhaus Mousonturm.

Beide verbindet ein Interesse an experimentellen Formen zeitgenössischer szenischer Künste, die Darstellung und Dargestelltes in eine produktive Dynamik bringen und gegen Ideologien des Definitiven und Identitären arbeiten.

Als Akteurinnen der Frankfurter freien Szene blicken sie gespannt auf aktuelle Entwicklungen in NRW und freuen sich darauf, in einen angeregten Austausch mit Szene und Publikum zu treten.

FAVORITEN 2018 findet vom 06.—16. September 2018 in Dortmund statt, gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW und das NRW Kultursekretariat Wuppertal.

Fanti Baum lebt als freie Performancekünstlerin und Theoretikerin in Frankfurt am Main. In der Spielzeit 2007/08 erhielt sie das künstlerische Projektstipendium FORMAT vom Thalia Theater Halle und der Deutschen Bank Stiftung. Im Anschluss arbeitete sie als Dramaturgin für das Theater Winkelwiese in Zürich (2008—2010), für das Ausstellungs- und Performance-Projekt »Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen« für den Frankfurter Kunstverein (2010—2012), mit der Produktion »Josefine« im Fonds experimentelles Musiktheater NRW (2012) und mit Claudia Bosse am Tanzquartier Wien (2014). Sie ist Teil der Performancegruppe Arty Chock, dessen Arbeiten zuletzt im Landestheater Marburg, im MMK Frankfurt und beim Lichter Filmfest Frankfurt zu sehen waren. 2016 lehrte sie zusammen mit Charlotte Pistorius an der Universität der Künste Berlin und mit Stefanie Lorey im Rahmen der »Frankfurter Positionen« an der Universität Frankfurt.

Olivia Ebert studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main und arbeitet seit 2009 als Kuratorin und künstlerische Produktionsleiterin im Kontext freier darstellender Künste. 2009—2011 sowie 2016 kuratierte sie das Aerowaves-Festival für junge Choreograf*innen in Frankfurt. In freien Projektzusammenhängen unterstützt sie Künstler*innen bei Konzeptionierung, Antragsstellung und Stückentwicklung. Als Produktionsleiterin am Künstlerhaus Mousonturm war sie u.a. für das großangelegte Stadtraumprojekt »EVAKUIEREN« des japanischen Künstlers Akira Takayama (2014) und die Tanzplattform Deutschland (2016) verantwortlich. Im Sommersemester 2016 und Wintersemester 2017 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt.

Foto © Jörg Baumann

Über FAVORITEN

Traditionell alle zwei Jahre im Herbst lädt die Freie Szene NRW zur großen Werkschau nach Dortmund ein: zum Theaterfestival FAVORITEN.

In den beinahe drei Jahrzehnten seines Bestehens hat sich der Kontext des 1985 unter dem Namen Theaterzwang gegründeten NRW-Theaterfestivals kontinuierlich gewandelt: kulturpolitisch, ästhetisch, stadtplanerisch, soziografisch. Ebenso der Begriff und das Selbstverständnis der Freien Szene selbst.

An der Schnittstelle von Kunst, Kulturtheorie und Gesellschaftspolitik liegt der Fokus stets auf Künstlern und Künstlerinnen, die mit ihren thematischen Setzungen für eigenständige ästhetische Konzepte stehen und mit der Entwicklung innovativer Formen aktuellen gesellschaftlichen Prozessen Ausdruck verleihen. Als Forum für herausragende Produktionen der freien Szene in Nordrhein-Westfalen blickt das älteste deutsche Off-Theaterfestival dabei bundesweit auf eine einzigartige und langjährige Geschichte kontinuierlicher Förderung der freien Theaterarbeit in NRW zurück. Strahlkräftig über die Landesgrenzen hinaus, liegt in der Sichtbarkeit und Historie des Festivals eine Verantwortung für aktuelle und zukünftige Entwicklungen der Freien Szene in NRW.

Mit seinem stets offenen und zeitgenössischen Programm richtet sich das Festival gleichermaßen an die lokale und regionale Bevölkerung wie an ein nationales und internationales Fachpublikum.

Träger des Festivals sind das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V. sowie das Kulturbüro der Stadt Dortmund.

Informationen zu früheren Ausgaben von FAVORITEN finden sich im > Archiv.